Dienstag, 5. Februar 2008

Korsika - Ausritt in der Desert des Agriates




Leise zieht die Landschaft an mir vorbei und ich bin erstaunt, wie stark der Sand die Hufschläge abfedert.
Korsika, Januar 2008. Es ist ein sonniger Wintertag auf der Ile de Beauté, die ihrem Namen einmal mehr alle Ehre erweisen wird.
Um neun Uhr treffen wir uns zu einem ganz besonderen Vorhaben: zu
dritt wollen wir per Pferd einen Teil der Desert des Agriates durchqueren. Dieser Landstrich Korsikas, der sich zwischen der östlichen Balagne und dem Städtchen Saint Florent am Fuße des Cap Corse erstreckt, trägt seinen Namen zu recht: verlassen, rauh und felsig liegt die Gegend vor uns.
Geprägt von der Macchia und durchzogen von Steinmauern aus den vergangenen Zeiten ist das Gebiet nur über eine Straße, die D 81, mit dem Auto zu durchqueren. Wer
weitergehend erkunden möchte braucht einen Geländewagen, einen Quad, ein Mountainbike - oder eben ein Pferd.
Der Strand von Ostriconi ist ein erstes Highlight auf unserem mehrstündigen Ausritt. Weiße Dünen und hellgrünes Dünengras harmonieren pastellfarben mit einem wolkenlosen Himmel. Wir meistern eine erste Schwierigkeit, die Durchquerung des Flusses Ostriconi, der hier in das Meer mündet. Die Pferde sinken stark in den Schlick ein und bei dieser Gelegenheit erfahren wir, dass es in den Agriates auch
Stellen mit Treibsand gibt, der so manch einer Kuh das Leben gekostet hat. Die anschließende Durchquerung der Dünen erfreut Pferde und Reiter, und schon bald gelangen wir auf den sentier des douaniers, der die Küste nach Osten entlang führt. Die Pferde meistern schmale Pfade, steinübersäte Wege und steile Anstiege ohne Schwierigkeiten.
Wer ein wenig Erfahrung mit Ausritten in Reitclubs hat, der kann hier eine angenehme Überraschung erleben: die Pferde haben Spass an der Bewegung, um diese Jahreszeit eignen sich die Temperaturen bestens, um sich so richtig zu verausgaben. Und so wird ein langer, steiler Anstieg in felsigem Gelände glatt im Galopp bewältigt, ein echtes Erlebnis für Pferd und Reiter!
Gemächlich durchqueren wir eine Ebene, Assoziationen von amerikanischer Wildnis kommen auf,










das Herz weitet sich der Landschaft entsprechend. Ein kleiner Abstecher zu einem Felsvorsprung ermöglicht uns den Blick über den Küstenstreifen. Die Vielfalt der Blau- und Grüntöne wirkt wie ein Schatz in dieser einsamen Landschaft. Stunden vergehen und wir können uns nicht sattsehen an dieser für Korsika so charakteristischen Gegend. Noch intensiver wird unser Erleben durch die Dynamik der Pferde, die uns tragen und nicht geizen mit ausgedehnten Passagen im Trab oder Galopp.
2008 hat herrlich begonnen und es ist gut zu wissen, dass noch viele andere unvergessliche Ausritte auf den schmalen Pfaden der Balagne möglich sein werden.


Fotos und Text © Renate Kühn 2008
Centre Equestre de Monticello, Cécile Degioanni

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