Mittwoch, 1. Oktober 2008

Anschlag auf Privatvilla auf Korsika: Vermutlich Protest gegen Regionalentwicklungsplan

Unbekannte haben am Montagabend einen Anschlag auf eine Privatvilla nördlich von Ajaccio verübt. Wie mehrere französische Medien melden, wurden die Eigentümer, die ursprünglich aus Lyon stammen, aber schon seit zwanzig Jahren auf Korsika leben, von vier Maskierten zunächst überfallen, gefesselt, abtransportiert mit Hilfe eines Geländewagens in der Maquis ausgesetzt. Ihr Haus wurde anschließend durch zwei Sprengsätze schwer beschädigt. Bisher hat sich noch niemand zu dem Anschlag bekannt. Vermutlich handelt es sich aber um eine Protestaktion gegen den Regionalentwicklungsplan plan d'aménagement et de développement durable de la Corse (PADDUC), in dem die wirtschaftliche, landwirtschaftliche, soziale, kulturelle und touristische Strategieplanung der Insel festgesetzt werden soll. Kritiker befürchten, dass in den Raumordnungsverfahren, die in dem Plan enthalten sind, Küstenstriche verplant und mit Hotels und Ferienanlagen zugebaut werden sollen. Inselweite Proteste richten sich vor allem gegen diesen vermuteten Ausverkauf der Küsten der Insel der Schönheit. Das auf der Insel heftig diskutierte Papier soll im ersten Halbjahr 2009 endgültig verabschiedet werden.
Die Privatvilla der Kontinental-Franzosen, die diese Woche Opfer eines Anschlags wurden, liegt direkt am Meer an einer idyllischen Stelle im Golfe de Lava, auf dem Gebiet der Gemeinde Apietto. Das Paar, beide um die 75 Jahre alt, wurde bereits 2005 Opfer eines Anschlags. Wie die Tageszeitung Libération berichtet, wurden sie zudem 2007 um Geld erpresst. Sie befinden sich mittlerweile in psychologischer Behandlung. Trotzdem wollten sie Korsika nicht den Rücken kehren, versichern französische Medien.

>> Corse Matin: Deux retraités brutalisés lors d'une opération commando au golfe de Lava
>> Mehr zum PADDUC plan d'aménagement et de développement durable de la Corse auf der Website der Regionalverwaltung


Text: Timo Gerd Lutz

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