Montag, 14. September 2009

Energie auf Korsika: Thermische Energie, Windenergie, Wasserkraft und Strom aus Italien

Korsika verfügt scheinbar über unendliche Energieressourcen: Rund 230 Sonnentage im Jahr, ergiebige Regenfälle in den Wintermonaten, windumtoste Küsten und Berge: Die Insel scheint für erneuerbare Energien wie geschaffen. Dennoch deckt der ökologisch erzeugte Strom nur etwa 25 Prozent des korsischen Energiebedarfs. Der Großteil des Strombedarfs wird aus fossiler Energie und durch Strom aus dem nahen Italien gedeckt.

Windkraftwerke am Cap Corse: ökologisch erzeugter Stromspielt auf Korsika kaum eine Rolle

Der Energiemarkt der Insel liegt fest in den Händen der staatlich dominierten französische Elektrizitätsgesellschaft Électricité de France (EDF). Der Energieriese ist in Frankreich weitaus mehr als nur ein Unternehmen, es ist eine Institution und erzeugt den grossteil ihrer Energie aus Atomstrom. Ökostrom-Anbieter können da kaum mithalten. Lediglich sieben Prozent des korsischen Stroms wird von Privatleuten, Städten und Gemeinden produziert. Insgesamt zehn kleine Wasserkraftwerke und drei Windparks befinden sich in Privatbesitz. Mehr als die Hälfte des korsischen Stroms produziert die EDF in zwei Wärmekraftwerken bei Ajaccio und Bastia. Die dafür benötigten fossilen Brennstoffe werden von der EDF auf dem Weltmarkt eingekauft und per Schiff nach Korsika geliefert. In Lucciana bei Bastia sorgen außerdem vier Gasturbinen mit einer Gesamtleistung von 112 Megawatt dafür, dass auf der Insel nie die Lichter ausgehen.
Für den Strom auf Korsika sorgen außerdem drei Wasserkraftwerke im Herzen der Insel, die sich über mehrere Täler erstrecken. 2012 soll am Rizzanese in Südkorsika ein vierter Staudamm eröffnet werden. Damit deckt Korsika immerhin einen Viertel seines Strombedarfs mit Wasserkraft. Zum Vergleich: Im Rest der Atomstromnation Frankreich sind es nur zwölf Prozent.
Windkraft und Sonnenenergie spielen auf Korsika kaum eine Rolle: Nur bei Calenzana in der Balagne und am windumtosten Cap Corse (Rogliano und Ersa) erzeugen moderne Windmühlen kostenlosen Strom. Solarstrom wird auf Korsika bisher nicht erzeugt.
Ein Fünftel des korsischen Energiebedarfs kommt schließlich aus Italien auf die Insel: Ein Umspannwerk bei Bastia, das Energie aus der Toskana bezieht, sowie die Unterwasserleitung „Sarco“ zwischen Korsika und Sardinien, die zur Zeit auf eine Kapazität von mit 100 Megawatt aufgerüstet wird, sind untrügliches Zeichen dafür, dass die Insel fest von italienischem Strom abhängig ist.


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