Mittwoch, 12. Mai 2010

A Tundera: Schafschur von Hand auf Korsika

Im Mai haben die Schafe auf Korsika ihren traditionellen Termin mit dem Coiffeur, denn im Wonnemonat ist es notwendig die Tiere von ihrer Wolle zu befreien.
Dicht an dicht gedrängt, verweilen die Schafe früh morgens in ihren Ställen, bis die Profi-Scherer sie in wenigen Minuten von ihrer flauschigen Wollpracht befreien.
Jetzt fahren die scharfen Scherwerkzeuge „a furbice“ über Rücken, Bauch und Beine der Schafe, die nach wenigen Minuten nur noch halb so groß sind wie zuvor. Alle lassen es geduldig zu, nur ab und zu hört man ein trauriges Mäh, wenn die scharfen Scheren in die Haut schneiden.

Ist das letzte Schaf geschoren, beginnt das Fest:Viele Dörfer Korsikas veranstalten zur Schafschur ein Bankett, um Besuchern und Gästen die Kunst der traditionellen Schafschur näher zu bringen. Schafe scheren ist nämlich gar nicht einfach - auch wenn man nicht viel dazu braucht: scharfes Werkzeug, festes Seil, Schleifstein, Jutesäcke und gute Laune.

Die Korsen lieben den Trubel und die „Tundera“ ist eine Zeit besonderer Freude. Zunächst wird herzhaft gegessen, später werden die alten polyphone Gesänge „chjami e rispondi“ und „paghijelle“ meisterhaft interpretiert. Jeder Augenblick, von der Geburt bis zum Tod, hat auf Korsika nämlich ein Lied. So auch die Schafschur.

Bei dem „chjami e rispondi“ (dt. rufst und antwortest) handelt es sich um Rededuelle aus dem Stehgreif, die das Improvisationstalent und die Schlagfertigkeit der Sänger in den Vordergrund stellen. Die Sänger sprechen sich an, fordern sich heraus und wetteifern mit geistreichen Bemerkungen.
Der Paghijelle gehört hingegen zu den typischsten Gesangsformen des korsischen Lieds. Bei dem dreistimmig interpretierten Gesang ist das Augenmerk nicht auf das Wort, sondern auf die Stimme gerichtet, die die Emotion des Erlebten vermitteln soll. Man vermutet, dass der Ursprung des Paghijelle sogar vor-gregorianisch sein könnte.

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